Rumänien 2012,

bis zum Schwarzen Meer…..

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Zunächst möchte ich ein paar landläufige Meinungen berichtigen:


* Die Donau ist nicht „blau“ sondern so wie jeder andere Fluss in Europa!
* Auch ist das Schwarze Meer nicht schwarz!
* Die Rumänen rauben dich nicht an jeder Straßenecke aus und schrauben dir auchnicht die Räder vom Fahrzeug wenn du darin schläfst, nein Rumänen sind freundliche, hilfsbereite   Menschen!


So, nachdem das geklärt ist, möchte ich euch ein paar Bilder von unserer Rundreise durch Rumänien präsentieren und ein wenig über unsere Erlebnisse berichten.


Vor Beginn unsere Reise war das Schwarze Meer als Endziel nur mal so locker besprochen worden, denn es sind schon einige Kilometer bis dahin und ob wir das in 3 Wochen schaffen können, war nicht abzusehen.
Wir erreichten am 22.6.12 das Schwarzen Meer!
Wie von einem Magneten gezogen, trieb es uns in den Süden Rumäniens. Ein kurzer Blick in die russische Generalstabskarte auf Rudi´s Tablet und der Strand, an dem wir unser Lager aufschlagen wollten, war gefunden.

Einen 2 km langen Sandstrand mussten wir mit 2 weiteren rumänischen Reisegruppen teilen, wir waren praktisch allein an einem traumhaften Strand – 28° Wasser und 37° Lufttemperatur.


…..einfach nur ….. unbeschreiblich schön.

 

Mit Josefa und Rudi (unsere österreichischen Reisefreunde, die wir auf unserer Libyen Reise kennen gelernt hatten) und ihrem blauen J9 starteten wir von Wien in Richtung Ungarn. Der erste Tag war nur langweiliges Kilometer abspulen auf der Autobahn. Die einzige Abwechslung war mitten durch Budapest, das ist ungefähr so, wie in der Rush Hour durch München, ihr versteht was ich meine.

Bei Nyireghaza (im weiteren Verlauf werde ich euch die komplizierten Namen ersparen) verließen wir den Highway und bezogen unser erstes Camp in Tokaj an der Theiss.
Die ersten 600 km waren geschafft, wir genossen die Ruhe am Fluss und ließen die Seele baumeln. Mit einem Rundgang durch Tokaj und einer Weinverkostung des gleichnamigen Weines beschlossen wir den ersten Tag.

 


Wenn man den Sonnenaufgang genießen möchte muss man, wenn man Richtung Osten fährt früh aufstehen. 4:00 a.m. ist angesagt, recht früh, aber man gewöhnt sich dran und hat was vom Tag.

Wir reisen ohne Probleme in Rumänien ein, zahlen die Straßenbenutzungsgebühr und los geht’s. Ab heute keine Autobahnen mehr, nur noch ab und zu rote Straßen, wenn es mal schneller gehen sollte, ansonsten waren wir nur auf gelben und weißen unterwegs, was viel Off Road fahren bedeutet.

 

Durch malerische Dörfchen mit alten idyllischen Häuschen, dazwischen nagelneue, riesige Villen mit viel Glas und abstrakten Blechdächern.
Die ersten Pferdewagen unter Dacias und jede Menge deutsche Edelkarossen bestimmen das Straßenbild hier im reichen Norden in der Region Maramuresch.


 

 

In Sapanta besuchen wir am Nachmittag den „Fröhlichen Friedhof“, seht selbst warum er als „fröhlich“ bezeichnet wird.


Der Grabschmuck ist aus Holz geschnitzt und zeigt auf der Vorderseite meist eine positive Geschichte aus dem Leben des Verstorbenen, auf der Rückseite eine negative Geschichte.


Ein Campingplatz ist in Rumänien etwas anders, nicht was wir darunter verstehen. Auf einem rumänischen Campingplatz werden Holzhütten zur Vermietung angeboten, Camping in unserem Sinne findet wild an schönen Orten statt.

Wir landen an diesem Tag auf solch einem Campingplatz, 7 Hütten und drum herum 80 cm hohes Gras. Wir fahren auf den Hof und schon steht Lullu, der Eigentümer, mit einem Tablett selbst gebranntem neben uns. Er spricht gut deutsch und erzählt über sein Hobby, alle Länder der Welt zu bereisen. Wir hatten einige Eigenbrände auf nüchternen Magen zu uns genommen bis alle Länder aufgezählt waren, die er bereits besucht hatte.
Bei einem typischen rumänischen Menü (Gemüsesuppe mit Rahm, gebratenes Fleisch und Wurst, Polenta, Käse und Ei, danach frische Krapfen mit Heidelbeeren und Sahne) kamen wir wieder zu Kräften.

 

Weiter geht es Richtung Osten zu den Moldau Klöstern. Eines der schönsten ist Kloster Voronet mit einzigartigen Fresken.



 


Off Road geht es auf staubigen Pisten über viele km, auf eine Alm mit herrlichem Rundblick

 

 

 

 

 

 

Unser heutiger Übernachtungsplatz war nicht einfach anzufahren. Vom gegenüber liegenden Ufer eines Stausees hatten wir eine Wiese gesichtet. Mit großem Navigationsaufwand waren wir 2h Off Road durch die Karpaten unterwegs um auf die Wiese zu kommen, der Aufwand hatte sich aber gelohnt.
Am Abend waren wir fast alleine, nur etwa 10.000 Plastikflaschen und ebenso viel Frösche, sowie ein paar Pferde und Kühe entlang des Ufers bewachten unseren Schlaf.


In der Nacht drehte der Wind und alle Flaschen waren wie von Geisterhand verschwunden –halt leider nur die Flaschen, die Frösche blieben und musizierten die ganze Nacht.


In der Früh, die ganze Piste wieder zurück, schleunigst tanken, wir fuhren schon lange auf Reserve.
An der Tanke Ratlosigkeit, wo gibt es denn Diesel? Rudi lüftete das Geheimnis,
Motorina Standard ist das, was der Landcruiser jetzt braucht. Der Spritpreis liegt in Rumänien so um die 1,35€

Die „Brennende Erde“ unser nächstes Ziel.


Wir waren den ganzen Tag in den Karpaten unterwegs, als von Josefa über Funk kam -- nur noch 12 km!!!! – Die 12 km hatten es allerdings in sich. Wir biegen von einer mittelprächtigen Straße (nur alle 10m Schlaglöcher) über eine Brücke in den Wald ab. Steil, ja richtig steil auf Geröll mit heftigen Querrillen, schrauben wir uns den Pass hinauf. Die Piste bessert sich nicht, total fertig erreichen wir den Platz, wo Erdgas aus der der Erde tritt und abbrennt, die „Brennende Erde“.
Nun schien noch die Sonne, ich marschierte erst mal in das Feld um es zu untersuchen. Rudi pfiff mich gleich zurück – das Gas brennt auch am Tag!?—ach so—
Nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir von unserem Übernachtungsplatz gleich oberhalb zurück und trafen auf ein grandioses Schauspiel, unglaublich was Rumänien zu bieten hat.

Die Schlammvulkane, Vulcani Noroiosi, nahe Buzau, brennen nicht. Hier blubbert aus dem Erdinneren eine graue Brühe aus etwa 1m hohen Vulkankegeln.

 

 

 

Unser heutiges Nachtlager bescherte uns eine neue Überraschung!
Mittlerweile sind wir schon sehr weit in den Südosten Rumäniens vorgedrungen, die Tagestemperaturen lagen bei 35° mit hoher Luftfeuchtigkeit, richtig stickig.
Diesen Platz haben wir wieder über die russischen Generalstabskarten gesucht. Eine riesige Weide ohne Zäune an einem See, einem Vorboten des Donaudeltas. Ein traumhaftes Plätzchen mit Blick auf das Wasser, Schwäne, Störche, und Gänse. Aber ab 19:00 passierte es dann, tausende kleine Vampire fielen über uns her, da war Schluss mit lustig. Mit Autan und wie das ganze Zeug so heißt, waren wir bis 21:30 eingenebelt. Danach kehrte Ruhe ein, nur vereinzelt kam es noch zu Attacken der Sauger.
Wohl dem, der über gute Moskitonetze verfügt.

Am kommenden Morgen, weit nach 4:00, ich hatte verschlafen, weckte mich ein neues Geräusch. Eine riesige Herde Schafe nahm unser Camp ein. Zur Sicherheit wartete ich erst mal ab bis die meisten vorüber gezogen waren und kletterte erst dann aus dem Dachzelt, man weiß ja nie wie Schafe so drauf sind. Der Schäfer kam schnurstracks auf mich zu und fing ein Gespräch mit mir an, was man halt so unter Gespräch verstehen kann, eben mit Armen und Beinen um sich wedeln. Die Geschichte mit dem Dachzelt und einer kompletten Küche in einem Auto hat ihn schon begeistert. Zwischenzeitlich waren alle wach und wir tranken mit dem Schäfer einen Kaffee, eine sehr schöne Begegnung.

Was für uns vielleicht auch ungewöhnlich ist, durchfährt man ein Dorf winken einem die Bewohner zu – stellt euch mal das in eurem Wohnort vor, wenn ein rumänisches Auto durch die Hauptstraße fährt, gelle schwer vorzustellen !!!!! In Rumänien ist Vieles anders.

Wir kommen ins Donaudelta und schlagen unser Camp auf einem kleinen sehr gepflegten Campingplatz, direkt an einem Schilfgürtel des Deltas auf. Was ab 19:00 abging brauche ich jetzt nicht näher beschreiben. Nur so viel, unser Abendessen haben wir im Laufschritt zu uns genommen, sonst hätten mich die Biester aufgefressen. Autan und Co. halfen nicht mehr, nur noch schnell ins Zelt und Klappe zu. An Schlafen war nicht zu denken, immer noch 37° und gefühlte 95% Luftfeuchte, tausende Frösche in der Balz und bellende Hunde, wie man es aus Nordafrika kennt, echt super.

Drei Hauptarme der Donau durchziehen das Delta, dazwischen unzählige Kanäle mit Kristall klarem Wasser und schier unendliche Seerosenfelder wechseln sich mit Schilfgürtel und Mangroven Wäldern ab.
Was an diesem Tag auf uns zukam überstieg all unsere Erwartungen. Der Besitzer des Campingplatzes hatte ein kleines Schnellboot, mit dem er Ausflüge ins Donaudelta macht. Wir buchten eine solche Fahrt über 5h zu 55€ pro Person. Ihr denkt jetzt sicherlich
auch 55€ sind für rumänische Verhältnisse ganz schön happig!? Im Nachhinein würde ich sogar 100€ für die Fahrt bezahlen.

Diese Tour durch das Donaudelta ist mit Worten nicht zu beschreiben, unglaublich schön, die vielen Vogelarten in freier Wildbahn, die man vielleicht schon mal im Zoo live gesehen hat.

Die folgenden Bilder sprechen wohl für sich, was wir in diesen Stunden erlebt haben !!!!

          



         

 

Dass wir das Schwarze Meer erreichten, hatte ich anfangs schon verraten. Unglaublich wie frei man in Rumänien reisen und wild stehen kann.
Am Meer angekommen, haben wir uns erst mal die Kleider vom Leib gerissen und uns ins Schwarze Meer, das ja nicht schwarz ist, gestürzt.

 

 

 

 

Die Tage am Meer waren wie früher, als man in Deutschland noch mit 4 Rädern an öffentliche Gewässer fahren konnte. Wir fühlten uns in eine andere Zeit versetzt, Josefa`s bunte Tücher an der Markise taten ihr Übriges.

 

 

Nach dem Frühstück haben wir nochmal ausgiebig gebadet und sind dann Richtung Westen aufgebrochen. Vorbei an unendlichen Mais-, Sonnenblumen- und Getreidefeldern erreichten wir die Südkarpaten.

Hier wurden wir daran erinnert, dass es außer Sonnenschein auch noch andere Wetterformen gibt, nämlich Regen. Fette schwarze Wolken am Himmel, Hagel, Blitz und Donner standen nun für die nächsten Stunden auf dem Programm. Statt leichter Strandbekleidung, trugen wir nun wieder lange Hosen und Vliesjacke und hüllten uns in Decken, was für ein Land!!!!

 

 

Nahe Resista, in Brebu Nou, schlugen wir unser Camp für die nächsten beiden Tage auf.
Der Platz trug den Namen „Enduro Camping Romania“ und die Umgebung hielt was der Name des Platzes versprach. Unendliche Pfade durch die Karpaten wo man sein Fahrzeug mehr oder weniger schinden konnte, eine Off Road Oase mit 5 Sternen.

Wir unternahmen ein paar Ausflüge in die Umgebung und besuchten eine Familie, die Rudi aus früheren Reisen kannte. Hier hatten wir die Möglichkeit einmal zu sehen wie rumänische Familien leben, wir würden sagen – fast wie vor 100 Jahren –





In den Nächten hatte es immer mal wieder geregnet, dementsprechend war auch unsere letzte Etappe durch die Karpaten, schlammig, schlammig und nochmals schlammig –aber schön war`s........!!!!

Auf der Generalstabskarte fiel uns ein Seitental auf, das es zu erforschen galt. Eine Sackgasse, in einem schmalen Tal zu einem kleinen Dorf hinauf.
Wir waren im Gebiet der Donauschwaben. Dieser Volksstamm hat trotz des Drucks und der Verbote des Ceausescu Regimes die deutsche Sprache gepflegt.

 

Schweine und Kühe laufen über die Hauptstraße, die eigentlich mehr eine Piste ist, Enten baden in einem kleinen Bach, ein paar alte Leute sitzen auf Bänken vor ihren Häusern, eine Idylle die wir aus der Glotze kennen. Gaby grüßt eine Frau mit Kopftuch, die ihre Enkelin an der Hand führt, freundlich auf rumänisch. Sie dreht sich um, lacht und fragt „seids ihr Deitsche?“ In der nächsten halben Stunde hatten sich dann noch weitere Nachbarn zu einer geselligen Runde eingefunden –lustig war`s.......


                        

Auf Zigeuner, die auch bei den Rumänen sehr unbeliebt sind, trafen auch wir nur selten. Die Dorfgemeinschaften sind strikt in rumänische, deutsche und Sinti/Roma Ortsteile getrennt.

Bevor wir nun Rumänien verlassen, möchte ich noch ein paar Worte zu den Straßenverhältnissen verlieren. Kurzum gesagt, erbärmlich!!!
Jeder Nordafrikaner käme aus dem Fluchen über die unzähligen Schlaglöcher nicht mehr raus.
Auf manchen Strecken sind wir über viele km nur Schlangenlinie gefahren, was echt zermürbend war. Selbst auf “roten Straßen“ musste man jederzeit damit rechnen, dass man von einem riesigen Schlagloch eingefangen wird.
Wer also sein neues Fahrwerk testen, oder dem alten den Rest geben möchte, ist in Rumänien gut aufgehoben!!!!

Unsere letzte Station ist Heviz, eine Kurstadt in Ungarn, etwa 5 km vom Plattensee entfernt.
Auf einem Camping mit 5 Sternen, nach deutschem Standard, kurten wir in mineralischen Bädern für die folgenden beiden Tage. Also, Rudi und ich kurten nur einen Tag, denn das sollte reichen, wir fühlten uns nach dem ersten Tag schon viel besser. Während Josefa und Gaby den zweiten Tag mit Massagen und anderen Anwendungen verbrachten,um die zerschundenen Körper vom Offroadfahren etwas zu verwöhnen, fuhren Rudi und ich mit dem Toyo durch die Gegend.

Es war eine außergewöhnlich schön Reise, wir haben uns rundum wohl gefühlt, Balsam für die Sinne!!!!

Rumänien, manchmal eine Zeitreise in die Vergangenheit, mit beeindruckende Landschaften in den Karpaten, das unbeschreiblich schöne Donaudelta, interessante Begegnungen, ein exzellentes Off Road Gebiet, mit dem Schwarze Meer – das nicht schwarz ist, eine kulinarische Reise in den Osten Europas und nicht zu vergessen, mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen.

Rumänien ist immer eine Reise wert!!

Gaby und Jürgen

                                                                        

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