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Tunesien 2000/02

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Zweimal haben wir Tunesien besucht und auf eigene Faust das Land bereist.

Unterwegs mit unseren Geländewagen haben wir die Schönheit des Landes und die Gastfreundschaft der Tunesier kennen gelernt.

Als das eigentliche Tor zur Sahara gilt Touzeur. Nur wenige Kilometer entfernt liegt Nefta, die westlichste der Djerid-Oasen und Wallfahrtsort mit mehr als hundert Marabus - Gräber von Heiligen.

Unsere Reise führt uns in die Phosphatababaugebiete von Metaloi, Moulares, Redeyefs und in die verlassene Bergoase Mides, die Kulisse für den Film - der Englische Patient - war, durch malerische Schluchten und über das berühmt berüchtigte - Chott el Djerid -

In Karl Mays Buch - Durch die Wüste - wurden seine Schrecken ausführlich beschrieben und sind wohl jedem Fan von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar bekannt. Unser Ausgangspunkt war die alte Sklavenstadt Kebili. Von dort sind sowohl Exkursionen im und über den großen Salzsee als auch in das Erg Oriental - die Sahara - möglich. Unsere Reise führte in die Wüstenoase Ksar Ghilane, dem Treffpunkt der Wüstenfahrer, über das Dahargebirge in die Höhlenstadt Matmata und in die Bergfeste Guermrassa über die Insel Djerba, das traumhafte El Kef bis nach Tunis.

Eine Reise in ein unbekanntes Land und insbesondere in die Wüste erfordert sorgfältige Vorbereitung. Viele Wochen haben Jürgen, Tino und Rainer Ausrüstungsgegenstände ausgesucht und gekauft. Die 3 Wüstenschiffe werden sorgfältig beladen - schließlich darf nichts fehlen und es soll ja nicht ewiges Geklapper die Nerven der Reisenden strapazieren.

Petrus weint uns nach...... bis kurz vor Genua schickt er uns einen Regenguss nach dem anderen. Die Anfahrt gleicht eher einer U-Bootfahrt und bevor wir die unendliche Weite der Sahara kennen lernen, genießen wir erst einmal die drangvolle Enge und die Staus deutscher Autobahnen. Wir haben genug Zeit eingeplant - auch für eine wahrlich feuchte Rast irgendwo in der stockdunklen Nacht auf einem Autobahnparkplatz

 

Am frühen Morgen ist Genua erreicht und nach einigen Irrfahrten durch die italienische Hafenstadt finden wir auch die richtige Hafeneinfahrt. Wir sind übrigens nicht allein............

.........rund 460 Geländewagen versammeln sich im Laufe des Tages auf dem Platz vor dem Anlegepunkt der Fähre. Da ist manch exquisites Fahrzeug dabei, manche der Offroader sind locker 100.000 Euro wert. Wir haben ausreichend Selbsbewustsein - nicht der Lack und Ausrüstung sind allein entscheidend, sondern das Know-How. Und davon haben wir jede Menge - jedenfalls theoretisch.

 

Die Fähre - CF Carthage - hat 8h Verspätung. ausreichend Zeit, um erste Kontakte zu schließen, in der Sonne zu hocken oder schon mal ein beruhigendes Nickerchen zu halten. Spät in der Nacht werden die Autos verladen. Ein Wunder eigentlich, dass es keine Beulen und Rempeleien gibt, denn jeder will der Erste sein, um einen günstigen Startplatz beim Ausladen in Tunis zu haben. Am Nachmittag wird nach einer ruhigen Überfahrt am Horizont Afrika sichtbar. Wir haben die Nacht und den Tag entweder in unserer Luxuskabine - sponsered by Oma - an Deck oder in der Bar verbracht. Jetzt kribbelt es im Bauch und wir wollen nur noch eins........... auf die Piste.

 

Weil es schon zu spät für eine lange Fahrstrecke ist, suchen wir uns einen geeigneten Übernachtungsplatz auf der in der Nähe gelegenen Halbinsel Cap Bon. Einen guten Lagerplatz finder wir erst gegen Mitternacht. Im Scheinwerferlicht bauen wir die Zelte auf und schlafen todmüde ein.

Am Morgen entdecken wir, dass wir neben einer Müllhalde genächtigt haben - dafür werden wir durch einen traumhaften Blick über die Bucht von Tunis entschädigt-

 

Tagesziel sollte eigentlich Kebili sein - aber wir haben die Straßen - besser Pistenverhältnisse unterschätzt. Wir benötigten einen ganzen Tag von Tunis zum Djebel Biada, einem 1163m hohen Berg zu dessen Gipfel eine steinige Piste führte. Die Allradler werden erstmals richtig gefordert. Zunächst auf Sandpisten, dann tiefe vom Regen aus dem porösen Gestein gewaschene Rinnen, lassen eher Assoziationen an eine Eselspfad aufkommen, denn an eine Straße. Der Weg, verläuft durch ein malerisches, von schroffen Felsen begrenztes Tal und ist gesäumt von niedrigem Buschwerk. Nach dem kleinen Berberdorf Bou Omane wird es spektakulär: Die Piste wird sehr eng, kurvig und steil und ohne Untersetzung geht hier gar nichts. Zu beiden Seiten ragen enge Felsen auf und an einigen Stellen ist der Canyon nur wenige Meter breit. Der Himmel bewahre uns vor Gegenverkehr !!!!!

Wir haben beschlossen hier zu übernachten. Unser Camp liegt kurz unter dem Gipfel in einer kleinen Senke. Es ist - schweinekalt -

Die Luft kühlt unter den Gefrierpunkt ab und am frühen Morgen hängen in meiner kleinen Hundehütte regelrechte Eiszapfen. Ich habe in Afrika in einem Iglu geschlafen. Der Sonnenaufgang war dann unvergesslich....

 

 

Wir lassen die Ausläufer des Dorsale hinter uns und fahren über das Chott el Fejal weiter in Richtung Kebili. Erstmal stoppt uns eine Polizeistreife, doch die Wiesbaden Sticker und Kugelschreiber machen aus den zunächst grimmig blickenden Ordnungshütern innerhalb kürzester Zeit beste Freunde. Gut das wir genug davon an Board haben, unsere kleinen Gastgeschenke haben uns manche Tür geöffnet.

Der Campingplatz - Les Amies - liegt an der Straße nach der Oase Sabria. Arafet, den wir von unserer ersten Reise kennen, bereitet uns einen freundlichen Empfang und wir schlagen unser Lager unter Schatten spendenden Dattelpalmen auf.

 

 

 

 

 

 

 

Unser Rundgang durch Kebili: Das Wüstenschiff, dass hier so friedlich auf dem LKW lagert, haben wir wieder getroffen - Sein Kopf dient als Aushängeschild an einer Metzgerei, der so den Kunden signalisiert, dass sich frische Kamelsteaks im Angebot befinden.

Das von uns dringend gesuchte - Depot de Vin - also der Alkohlladen, befindet sich übrigens gleich gegenüber der Polizeistation. Das hinder die Kunden nicht, diese eigentlich verbotene Tankstelle anzulaufen. Allah ist übrigens kurzsichtig. Damit er nicht sieht, was dort den Besitzer wechselt, werden die Flaschen in ausrangierten Zementsäcken über die Theke gereicht.

Natürlich haben wir auch ein Hammam - das tunesische Dampfbad - besucht. Dort haben wir uns einem Nachfahren afrikanischer Sklaven anvertraut, der mit recht ungewöhnlichen Mitteln der Massage die Lebensgeister in uns wieder erweckte: Abgesehen davon, dass er von einem beeindruckenden Körperbau war, beherrschte er die Kunst, uns die Knochen zu verbiegen, ohne die selben zu brechen. Höhepunkt seiner Muskellockerungsmaßnahmen war die Zehenmassage, wobei er mit seinen Füßen, Schuhgröße 65, auf uns Deliquenten herumtrampelte, was Martin befürchten ließ, dass seine Mitfahrer diese Entspannungsübung des Folterknechtes nicht überleben würden. Eines müssen wir unserem Masseur aber bescheinigen - wir haben uns noch nie so erholt gefühlt, wie nach seiner martialen Anwendung. Um so mehr genießen wir den eigens für uns arrangierten Empfang der Trommler im Alt Kebili, wo noch heute die Steine zu sehen sind, an denen die armen Sklaven angekettet waren, die zum Verkauf standen.

Wer in die Wüste fährt muß nicht darben. Schon gar nicht, wenn man bei Arafet zu Gast ist. Bevor wir zu einem zweitägigen Trip in das sagenumwobene Chott el Jerid aufbrechen, bewirtet er uns mit allem was Küche und Keller zu bieten hat.

Nach einer kurzen Inspektion der Fahrzeuge und einer Reparatur an einem aufgescheuerten Kühlerschlauch brechen wir auf.

Wie tückisch die großen Salzseen tunesiens sind , erfahren wir, nachdem wir die breiten Pisten verlassen haben. Unter der dünnen Salzkruste verbirgt sich ein schwarzer Schlamm - ein Fahrgefühl wie auf Glatteis. Die tückische Oberfläche täuscht darüber hinweg, dass darunter regelrechte Sümpfe liegen, die selbst erfahrene Rallyfahrer in Gefahr bringen, wie manches Autowrack eindrucksvoll bestätigt. Arafet kennt praktische jede Düne und jede noch so kleine Wegeverbindung und bringt uns sicher aus diesem Gebiet. Vor uns liegt eine traumhafte Wüstenlandschaft. Kleine Dünen laden zu einem ersten Fahrtest und unsere Piloten Tino, Rainer und Jürgen können erste Erfahrungen im Sandkasten machen.

 

Unsere Fahrt führt weiter entlang der algerischen Grenze. Arafet führt uns zu einer Grabungsstätte für Sandrosen. Diese überaus zarten Gebilde enstehen in Grundwassernähe, weil sich Gips mit Sand und Salz unter großem Druck verbindet. Sie werden von Beduinen in tiefen Löchern unter Lebensgefahr gegraben, denn die bis zu 6m tiefen Gruben sind nicht gesichert und brechen immer wieder ein. Martin und Matthias haben die Gelegenheit selbst nach schönen Stücken zu graben und werden tatsächlich fündig. In mitgebrachten Kisten werden sie in Folie verpackt sorgfältig verstaut. Große Sandrosen kaufen wir den Männern ab, wir wollen sie nicht um den Ertrag der schweren Arbeit bringen.

 

 

Wieder überqueren wir den großen Salzsee. Diesmal auf einem Damm über den eine Straße führt. Das Chott hat unterirdisch Verbindung zum Meer. Das Salzwasser wird in Becken gesammelt, die Sonne verdunstet das Wasser und es bildet sich eine Salzkruste die alles überzieht und bizzare schneeweiße Kunstwerke erzeugt.

 

 

 

 

 

 

Einer der Zuflüsse zum Chott führt durch die enge Sedja Schlucht. Über 100m ragen die Wände in dem engen Canyon in den Himmel und der Zugang ist bei Hochwasser nur über einen Eisenbahntunnel möglich. Hier fährt einmal in der Woche der Lezard Rouge

 

- die rote Eidechse - ein historischer Salonzug als Touristenattraktion. Wir erkunden aber die Schlucht zu Fuß und vertrauen darauf,

dass die dort lebenden giftigen Schlangen erst im Sommer aktiv werden.

Einer der Höhepunkte unserer Reise ist sicherlich der Besuch bei einer Nomadenfamilie am Rande des Chotts. Dass wir sie überhaupt gefunden haben, verdanken wir unserem Führer Arafet, der die Kontakte zur einheimischen Bevölkerung hat und so den Aufenthaltsort der einzeln umherziehenden Sippen erfahren konnte.

 

Die Nomaden leben im Familienverbund und jede Familie innerhalb eines aus Palmwedel erbauten Zaunes zusammen mit ihren Tieren weitab von Siedlungen in der Wüste. Ihren Lebensunterhalt sicher sie sich seit Jahrhunderten durch die Ziegen und Kamelzucht. Die jungen Männer sind mit umherziehenden Karawanen unterwegs - allerdings transportieren sie heute kaum noch Salz oder Lebensmittel, dafür aber Sony Fernseher und Zigaretten. Im Grenzgebiet zu Algerien herrscht ein reger Schmugglerverkehr und die kleinen Karawanen sind von Zöllnern schlechter zu orten als verräterische LKW und Pickups

Der Sippenführer ist ein freundlicher alter Mann, der uns auch gleich zum Tee einlädt. Es kostet uns ein wenig Überwindung aus dem Glas, das deutliche Gebrauchsspuren trägt zu trinken - wir wollen die Gastfreundschaft annehmen. Die Kinder leben in den Familien, gehen nicht in die Schule, lernen lediglich den Koran. Die Regierung versucht immer mehr die Nomaden sesshaft zu machen, indem sie Wohnungen bereitstellt und die Kinder in den Schulen kostenlos ernährt. Die Zahl der Normaden geht weiter zurück - einige wiedersetzen sich standhaft allen Verlockungen der Zivilisation und ziehen weiter umher.

 

Zurück in die Berge. Nahe von Metaloui wird Phosphat abgebaut. Große Flächen sind regelrecht umgegraben, eine Mondlandschaft breitet sich vor uns aus.

 

Uns gelingt es, den Direktor der staatlichen Abbaugesellschaft in seinem Büro aufzuspüren. Als er hört, dass wir aus Deutschland sind und Fossilien suchen möchten, lässt er alles liegen und stehen und führt uns zu einer Abraumhalde. Dort gibt er uns einen kleinen Lehrgang und so finden wir auf Anhieb versteinerte Muscheln und Haifischzähne.

 

 

Unsere Zelte schlagen wir in dieser Nacht im Schutze einer kleinen Oase auf. Das hat seinen Grund: Der Sandsturm hat erneut zugenommen und fegt über die Gipfel der Berge. Innerhalb weniger Minuten überzieht er alles mit einer Puderschicht und die Sicht wird denkbar schlecht. Frühstück gibt es deshalb in einem kleine Cafe am Straßenrand.

Unser Weg führt uns von Kebili nach Douz und weiter zur Oase Ksar Gilahne. Die ursprünglich geplante 70 km lange Direktfahrt von Douz durch die Dünen ist unmöglich, der Sandsturm ist immer noch so stark, dass wir die Piste vor uns nicht erkennen können. Das Risiko, uns zu verirren, ist viel zu groß. So entschließen wir uns, über die Pipeline-Piste unser Ziel anzusteuern. Immer wieder tauchen lange Weichsandfelder auf und wer nicht stecken bleiben will, der muss den Luftdruck der Reifen absenken. Ein Bar zeigt das Manometer noch an, die Schlappen passen sich dem Untergrund so bestens an und wir kommen durch, ohne schaufeln zu müssen. Uns macht es zunehmen Spaß auf Sand zu fahren und als wir dann die Dünen vor der Oase sahen, waren wir nicht mehr zu halten.

 

Es hatte in den letzten Tagen stark geregnet - seit Jahren nicht mehr so stark. Die Oase stand unter Wasser und wir mussten erst noch eine Furt finden um unseren Zeltplatz für die Nacht ansteuern zu können.

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Zentrum der Oase Ksar Gilahne liegt die sehr ergiebige Quelle, die 37 Grad warmes Wasser in ein natürliches Quellbecken ergießt. Rund um den kleinen Teich gibt es einige Cafes und Souvenirläden. Klar, das hier der Treffpunkt aller Wüstenfahrer ist. Viele von ihnen machen hier einige Tage Station, bevor sie weiter in den Süden in das Sperrgebiet fahren. Der Teich läd zum Baden ein und natürlich haben wir alle Spaß daran, uns in die lauwarmen Fluten zu stürzen.Schließlich bietet sich ja auch die die Gelegenheit, ein wenig die dringend erforderliche Körperpflege zu betreiben. Unser Platz liegt am Rande der Oase, ein ruhiges Plätzchen. Hans baute eine wassersparende Tomatenwaschanlage. Entspannung pur erlebten wir am Abend auf der Terrasse des neu eröffneten Zelthotels in der Nachbarschaft. In den klimatisierten Luxuszelten übernachten zahlungskräftige Touristen aus Douz und Djeba kommend. Ein Bier 0,2 kostet 4 Euro, wir gehen sparsam mit dem kostbaren Nass um.

 

Einige km von der Oase liegt ein altes französisches Fort. Das Fort wurde bereits von den Römern angelegt. Aus den Steinen, die von römischen Sklaven und Söldnern hierher geschafft wurden, bauten die Franzosen einen Außenposten in der Wüste. Man kann sich vorstellen, wie die Soldaten, die oft Monate und auch jahrelang hier stationiert waren, sich an diesem verlassenen Punkt der Welt fühlten.

 

 

 

 

 

 

Die Dünen verlocken natürlich zum 4x4 Spielen. Immer wieder erklimmen wir mit den Autos die Sandberge, testen unser Fahrkönnen und die Belastbarkeit der Fahrzeuge. Wir sind glücklich in diesem riesigen Sandkasten. Dass man aber eine Menge lernen muss, bis man Jutta Kleinschmitt das Wasser reichen kann, das stellt man spätestens fest, wenn man die Kiste festgefahren hat und das Bergeseil in Aktion treten muss.

 

 

 

 

 

Die Nacht war wieder bitter kalt und aus der warmen Quelle und ihren Abflüssen steigt dichter Dampf auf, als wir kurz nach Sonnenaufgang aufbrechen um in das Dahar Gebirge zu fahren. Wir verabschieden uns von Matthias (DakTec) und seiner Truppe, die wird während unserer Reise immer wieder mal trafen.

 

 

 

 

 

 

 

Der Sand wir immer weniger - wir erreichen die Steinwüste des Dahar. Eine Wellblechpiste macht die Fahrt zur Qual. Wir werden durchgerüttelt und unsere Ladung an Board scheppert und klappert beängstigend - ob das unsere Sandrosen in einer Kiste auf dem Dach überleben? Manchmal ist die Piste kaum noch zu erkennen und zu allem Überfluss schickt Petrus auch noch kräftigen Regen.

Nach den letzten Sandfeldern machen wir unsere Autos wieder straßenfein - dass heißt, der Luftdruck in den Reifen wird wieder erhöht. Dafür haben wir einen Stromgenerator und einen Kompressor an Board - schließlich wollen wir uns ja nicht kaputt arbeiten.

 

 

Wir haben uns entschlossen, eine Ksar-Tour zu unternehmen, um die sagenhaften Speicherstätten der Nomaden kennen zu lernen. Ksars sind meist rechteckige Anlagen, die oft einen sehr wehrhaften Eindruck machen. Sie sind von einer hohen Mauer umgeben und haben nur einen Zugang. Die Ksars wurden scharf bewacht, dass zum einen keine Krankheiten eingeschleppt wurden und die eingelagerten Vorräte der Nomaden - wie Öl, Dattel, Mehl und Oliven nicht abhanden kamen.

Unser erster Stopp ist das Ksar Beni Barka, wo uns ein alter Mann freundlich begrüßt und uns sogar seine Zisterne erklärt. Er selbst wohnt unterhalb der verfallenen Anlage und ist sichtlich stolz uns bei einem Tee sein Zuhause zu zeigen.

Oberhalb eines malerischen Palmenhains liegt das Ksar Halouff inmitten der zerklüfteten Bergwelt. Das Ksar war sowhl Speicher als auch Versammlungsort und von der aussichtsreichen Plattform wurden die Beschlüsse der Versammlung mit optischen und akustischen Signalen an andere Ksars übermittelt. - teilweise gut erhaltene Palmholztüren verschließen die Eingänge. Die rechts neben der Tür befindlichen Öffnungen sind übrigens die Schlüssellöcher. In sie wurde ein Holz mit eingesetzten Holzzapfen eingeführt, mit dem der querliegende Riegel zurückgezogen werden konnte. Jedes Schließholz ist individuell kodiert - keines passt für eine andere Tür. Innerhalb der Anlage befindet sich noch eine historische Ölmühle.

 

Ein Teil der Speicher wurde ausgebaut undbietet Übernachtungsmöglichkeiten. Wir genießen frisch gebackene Briks - dünne in Öl ausgebackene Teigfladen, die mit Ei, Tunfisch und Kräutern gefüllt sind. Eine der größten Anlagen ist das Ksar Oued Sultane. Bis zu vier Stockwerke türmen sich die Kammern übereinander, ein Wirrwar von abenteuerlichen Treppen und Aufstiegen. Die Anfange dieser Anlage liegen bereits im 15. Jahrhundert. Der Freundliche Wächter erläutert uns geduldig und auch überaus fachkundig den Sinn und Zweck der Bauten und serviert uns einen köstlichen Cafe, den er mit einigen Tropfen Rosenwasser verfeinert.

 

Wir kommen nach Ghomrassen und unternehmen einen Streifzug über den Markt. Das Angebot ist überaus reichhaltig: Nüsse, Gewürze, Obst Werkzeuge und Kleider füllen Marktplatz und Seitenstraßen. Das Opferfest steht unmittelbar vor der Tür - der Viehmarkt ist deshalt reichlich bestückt. Auffällig ist, dass in großen Mengen Altkleider verkauf werden, die sicherlich nicht zuletzt aus entsprechenden Sammlungen in Deutschland stammen. Oberhalb des Dorfes liegt an den von der Erosion zerfressenen Felsen die alte aufgegebene Siedlung. Früher zogen sich mehrere Höhlenbänder an den terassenförmigen übereinander getürmten Felsen entlang. Felsstürze und der gezielte Abriss der Anlage haben nur noch wenige Gehöfte übrig gelassen.

 

 

Ab dem 12. Jahrhundert bauten Berber im südlichen Dahar Gebirge Wohnhöhlen und Fluchtburgen, die sie vor den eindringenden Arabern schützen sollte. Das malerisch gelegene Chenini ist leider touristisch sehr erschlossen und es ist kaum möglich das Gelände zu erkunden, ohne von bettelnden Kindern oder einheimischen Führern belästigt zu werden. Dennoch macher wir uns auf den Weg und es gelingt uns sogar unsere Begleiter abzuschütteln. Der Felssattel zwischen zwei Bergen trennt die Ortsteile. Dort liegt auch die schneeweiße Moschee. an beiden Bergrücken breiten sich sich die in den Fels gegrabenen Wohnungen aus.

 

 

Die schwarze Färbung der Erde - Olivenabfälle - führen uns direkt zu einer Ölmühle, die sich in einer Höhle befindet. Das dort arbeitende Ehepaar ist sofort bereit uns die Mühle zu zeigen, in der wie vor hundert Jahren das Öl gepresst wird. Der Mahlstein wird von einem Esel in Bewegung gehalten und die dadurch entstandene Maische anschließen in Bastkörbe gefüllt.

In einer Felsnische übereinander getürmt werden sie durch einen langen Palmstamm, an dem mit Muskelkraft ein Zentner schwerer Stein befestigt wird, ausgepresst. Das Öl läuft langsam aus den Körben über eine Felsrinne in eine kleine Kaverne, wo sich der Trub absetzen kann. Das Ergebniss ist ein Olivenöl, dass so hervorragend schmeckt und mit industriell erzeugtem Öl nicht zu vergleichen ist.

 

Auch in Matmata leben die Menschen in Höhlen. Allerding sind diese nicht in den Berg, sondern in die Erde gegraben. Wenn man über das Tal blick, erkennt man unzählige Krater. Sie bilden praktisch den Innenhof des Gehöfts. Vom Hof gehen sternförmig Küchen-, Wohn- Schlaf- und Stallhöhlen ab. Der turistische Rummel ist uns einfach zu groß und wir verlassen Matmata um statt dessen eines der umliegenden Dörfer zu besichtigen.

 

 

Die letzte Etappe durch das Dahar-Gebirge führt uns in eine schroffe Gebirgslandschaft. Nur wenige Bäume und Büsche sind zu sehen - nur ganz niedrig wachsende Kräuter haben eine Überlebenschance auf dem trockenen Fels. Manche Kräuter werden von den Bauern gesammelt und auf den Märkten verkauft.

 

 

Unser Nachtlager schlagen wir in einer kleinen Senke auf und wir haben die Möglichkeit unsere Klamotten mal wieder in Ordnung zu bringen. Nach einem ausgiebigen Abendessen, beschäftigen sich Martin und Matthias mit dem Abwasch.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir steuern langsam aber sicher wieder Tunis an und durchqueren den grünen Norden von Tunesien. Manchmal erinnert die Landschaft an die Toscana und dieser Eindruck wird auch durch die zahlreichen römischen Bauten verstärkt, welche die lange Geschichte dieses Landes unter Beweis stellen.

Im dicht besiedelten Norden ist es schwer einen Übernachtungsplatz zu finden. Weil wir auch eine gründliche Wäsche nötig haben ( besonders die Füße von Martin und Siggi ) entschließen wir uns, den Luxus eines Hotels zu genießen.

 

 

 

 

Zwei schrottreife Taxis befördern uns in die Innenstadt von El Kef, wo wir in einem Restaurant, mit (Alkohol Konzession) ein außerordentlich schmackhaftes Essen genießen. Wir schlafen in dieser Nacht im best bewachten Hotel Tunesiens - Gäste im Haus sind auch rund 40 hohe Polizei- und Militärbeamte. Die Sicherheitskräfte vor und im Hotel sind allgegenwärtig - allerdings können sie nicht verhindern, dass Siggis Mützchen enge Kontakte mit den Kopfbedeckungen der Generalität schließt. Über eine lange geschichtliche Tradition verfügt die Stadt El Kef. die sich an einen rund 800 m hohen Berg schmiegt auf dessen Gipfel eine türkische Festung thront. Wir erkunden die Stadt zu Fuß, steigen durch das Gewirr kleiner und engen Gassen hinauf zur Kashba, kaufen uns in einer Konditorei leckeren süßen Kuchen, genießen die Sonne und sind fasziniert von den Ausblicken die sich uns immer wieder bieten. Oben auf der Kashba erklimmen wir die breite Wehrmauer und genießen den Blick in Richtung Algerien, das nur noch etwa 25 km von uns entfernt ist. Kein Wunder, dass sich hier die Feinde blutige Köpfe hohlten, die Anlage ist gewaltig hoch und die Mauern mehrere Meter dick. Ein freundlicher alter Mann schließt uns die Türen auf und erläutert uns die Funktionen der einzelnen Räumlichkeiten, die teilweise sehr schöne und sogar restaurierte Malereien aufweisen.

Auf dem Markt gibt es alles zu kaufen, was man zum Leben braucht. Bunte Plastikschüsseln in großer Anzahl, genau so wie wertvolle Teppiche oder schlachtreife Hühner. Frischen Fisch und Fleisch kann man in der Markthalle erwerben, Obst und Gemüse, vor allem Berge von Orangen türmen sich entlang der kleinen Gassen.. Schön, dass noch nicht alle Städte Tunesien vom Massentourismus eingenommen sind.

 

 

Wir verlassen El Kef am frühen Nachmittag und steuern unser nächstes Ziel - den Stausee Sidi Salem an, den unser Reiseführer wärmstens empfiehlt. Der See liefert Trinkwasser nach Tunis und wurde mit deutscher Hilfe 1981 gebaut. Bislang war der Reiseführer exakt, doch hier hat er einen gravierenden Fehler. Den zum See führenden kleinen Weg finden wir auch im fünften Anlauf nicht und deshalb fahren wir einfach querfeldein. Zwar finden wir schließlich den Stausee, doch der Ortsbürgermeister, der uns über den Weg läuft, verlangt eine Genehmigung der Polizei. Wir fahren zum Polizeiposten im Nachbarort, ungläubig behandelt man uns freundlich, keiner kann so richtig verstehen was wir eigentlich wollen. Kurzum, drei freundliche Polizisten in Zivilkleidung begleiten uns in ihrem Mercedes 220D zum Stausee und weisen uns einen Übernachtungsplatz zu. Doch kaum sind die ersten Zeltstangen zusammen gesteckt, erscheint die Garde Natoional in einem Landy und vertreibt uns von unserem Platz - es soll angeblich zu gefährlich sein!?

 

Ein letzter Abstecher führt uns nach Djerba. Auch wenn diese ehemalige Piraten - Insel in den letzten Jahren als Touristenzentrum immer mehr ausgebaut wurde und an der Küste ein Fünf-Sterne-Hotel neben dem anderen steht, hat sie immer noch ihre Reize. Besonders der Hafen mit seinen bunten Fischerbooten und den Tonkrügen, die zum Fang von Tintenfischen dienen, haben es uns angetan. In den Töpfereien bekamen wir einen Einblick, wie die keramischen Gefäße hergestellt werden.

 

 

 

 

Ein blutiger Terror Anschlag am 11.4.2002, bei dem 21 Menschen ihr Leben verlieren, hat die Synagoge La Ghriba weltbekannt gemacht. Bei unserem Besuch - zwei Wochen zuvor - erleben wir die einmalige Atmosphäre des Raums, den bunte Kacheln und bemalte Holzdecken zieren. Die farbigen Glasfenster zeichnen einzigartige Lichtspiele auf Boden und Wände. An den Bänken entlang der Wände kauern bärtige Rabbiner die Texte aus der Heiligen Schrift lesen. Leise verlassen wir diesen für die Juden in ganz Nordafrika wichtigen heiligen Ort.

 

 

 

Letzte Station vor der Abreise aus Tunesien ist Tunis. Unser Zeltplatz liegt außerhalb der Stadt in der Nähe des Hafens - wir entschließen uns, mit dem Zug ins Zentrum von Tunis zu fahren. Wir steuern direkt den Souk an. Nach Handwerken getrennt werden hier die Waren angeboten und teilweise sogar gefertigt. Wir können den Goldschmieden und Tischlern bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen.In einem kleinen Restaurant genießen wir die ursprüngliche Küche des Landes und natürlich kaufen wir uns auch verschiedene Andenken. Am Abend - auf dem Campingplatz - gabs dann noch leckere Lammsteaks und Hühnchenkeule vom eigenen Grill, bevor wir die letzte Nacht auf tunesischem Boden verbringen.

Siggi und Jürgen

 

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