Tunesien 2013,

das Land und besonders die Menschen haben wir von einer anderen Seite kennen gelernt.

Im Oktober 2013 folgten wir der Einladung von Rim und Mouldi, ein paar Tage in Tunesien zu verbringen. Nicht wie sonst mit dem Auto, sondern mit einem Airbus 310 der Lufthansa erreichten wir Tunis in nur 2 h. Bei satten 30° war es ein freudiges Wiedersehen mit unseren Freunden Rim, Mouldi und Nedja.

 

Um nach BouaRada zu kommen, mussten wir erst mal quer durch Tunis – was für ein Verkehr, dass es nicht ständig zu Unfällen kommt liegt wohl an der gegenseitigen Rücksichtnahme – anders als bei uns, so meine ersten Gedanken in dieser so quirligen Stadt. Wir verlassen Tunis nach etwa einer Stunde in Richtung Südwest auf Landstraßen von Eukalyptus Bäumen gesäumt, an den Straßenrändern wird Gemüse und Obst direkt vom Bauer verkauft, auf unzähligen Holzkohle Grills wird gegrilltes Lammfleisch angeboten und kommt man durch Ortschaften fallen die vielen Cafes und Tee Häuser auf – natürlich kehren wir ein und genießen unseren ersten Minze Tee.

Das zu Hause unserer Freunde, eine kleine Oase, liegt  inmitten von BouaRada. Im Hof duftet es nach Jasmin und uns unbekannten Pflanzen  -  Oliven, Orangen und Zitronen Bäume gedeihen prächtig bei diesem Klima. Wir hatten gerade mal unser Sommer Outfit angelegt, schon gibt es frischen Cafe und unser Lieblingsgebäck Makronen, ein Honig Nuss Teig mit Dattelfüllung – echt lecker - wir waren angekommen.

Beim Abendessen, Salat dazu super leckere Briggs nach Rims Spezialrezept und anschließend eine Suppe mit Lammfleisch, wurde uns klar, dass in dieser Woche mit Gewicht halten nix drin ist.

Den Abend verbrachten wir mit dem Austausch von Neuigkeiten und der Planung der kommenden Tage. Mouldi hatte folgende Ziele vorgeschlagen, ein Besuch bei Rims Eltern im Norden am Meer, Hedi, der nahe Douze lebt hatte uns eingeladen und Arafat aus Kebbili sollten wir, mit einer außergewöhnlichen Geschichte, wieder sehen – aber alles der Reihe nach……..

 

Nach einer für uns lauen Sommernacht, machten wir uns auf den Weg nach Kebbili. Mit von der Partie waren Rashida und  Mohamed del Hedi ebenfalls aus BouaRada mit ihrem für die Gegend üblichen Pickup 4x2. Die beiden waren auf Brautschau für ihren Sohn, der in Paris studiert und Arafads Nichte, die ebenfalls in Paris lebt, die Kandidatin. Das erste Kennenlernen ging bei einem Essen von statten – danach wurde in einer Frauen und einer Männer Gruppe weiter diskutiert. Die junge Frau war auch uns sehr sympathisch – das wird wohl was werden.

In diesem Fall ist es nicht so, dass die Eltern bestimmen und die Kinder gehorchen müssen – den jungen Leuten soll das kennenlernen erleichtert werden – letztendlich entscheiden sie dann selbst.

 

 

 

 

 

 

 

Am Nachmittag treffen wir Hedi und seine  Söhne in einem Dünengebiet südlich des Chott el Djerid. Bei einem im Sand gebackenen Brot und frischem Minze Tee genossen wir die Ruhe der Wüste und die sich ständig wechselnden Farben der Dünen beim Sonnenuntergang.

Hedi lud uns noch zum Abendessen ein. So hatten wir das nicht erwartet!  Im Hof seines Hauses war die ganze Familie versammelt und begrüßte uns herzlich.  Teppiche waren ausgebreitet, um einen niederen Tisch Matratzen als Sitzgelegenheit, auf einem Fernseher lief das Hochzeit  Video von Hedis Tochter, sie hatte im Frühjahr geheiratet und zur Abrundung blökte ein Hammel im Hintergrund. Wenn man bei uns Gäste einlädt, sitzt man mit ihnen zusammen am Tisch und genießt das Essen - anders in Tunesien, die Gäste sitzen alleine am mit köstlichen Speisen gedeckten Tisch – in einiger Entfernung  die Frauen rechts und die Männer links von uns. Damit muss man erst mal klar kommen, wir schlagen uns den Bauch voll und 20 Personen beobachten uns dabei. Mouldi bemerkt unsere Unruhe und meint – das ist schon in Ordnung, alles ganz normal. Des Ganzen noch nicht genug, nachdem wir mit dem Essen fertig sind, wird der Tisch in die Frauen Ecke gestellt, wo dann die Reste verspeist wurden. Das Video lief nun schon fast  3 Stunden und endlich kam auch mal der Bräutigam ins Bild. Auch eine Hochzeit läuft in Tunesien anders ab, Frauen und Männer feiern 3 Tage getrennt voneinander und anschließend gibt sich das Brautpaar das Jawort – und es wird weiter gefeiert.

Was für ein Abend, erschöpft fahren wir gegen Mitternacht ins Hotel nach Douz und nehmen noch ein Bierchen an der Bar – Alkohol wird in den Familien nicht getrunken.

Morgen ist Hammelfest, der höchste Feiertag Tunesiens. Wir schlendern durch Douz, an jeder Ecke werden Hammel, oder besser gesagt junge Lämmer für das große Fest angeboten, letzte Einkäufe werden auf dem Markt getätigt, ausschließlich Männer sitzen in den Cafes rund um den Marktplatz, die immer mehr werdenden Mofas flitzen kreuz und quer durch das bunte Treiben –  eine besondere Atmosphäre. Nur eins fällt auf, im Straßenbild fehlen die sonst so vielen europäischen Geländewagen auf dem Weg in die Wüste. Hier in Douz ist der Tourismus so gut wie tot, viele Hotels sind geschlossen und die geöffneten sind nur spärlich belegt – der Regierungswechsel und die Gesinnung der Islamisten schreckt viele Reisende ab. Wir spüren nichts von den maßgeblichen Problemen, wir werden wie eh und je freundlich behandelt.

Für Off Road Reisende hat sich folgendes geändert: Wer in die Wüste südlich von Ksar Ghilane möchte (auch ohne Führer) muss sich die Genehmigung dafür bei der Touristenpolizei in Douz holen. Es ist ein kleines Büro nahe dem Stadion, in dem das Sahara Festival ausgetragen wird.   Ins Sperrgebiet kommt man im Moment auch nicht mit Führer, so die Aussage der örtlichen Polizei.

Zum Hammelfest sind wir zurück in BouaRada und erhalten gleich eine Einladung für den Abend zum Hammel essen. Ich und der Hammel, zwei Welten treffen aufeinander. Wenn ich die Kollegen rieche bin ich in der Regel schon bedient – aber auch das ist in Tunesien anders. Wir treffen gegen 18:00 bei Rashida und  Mohamed del Hedi, der übrigens der Iman der Gemeinde ist, ein – der Tisch wieder nur für uns fünf gedeckt, der Grill mit einigen kg Hammelfleisch bestückt und reichlich köstliche Salate auf dem Tisch. Das Lamm schmeckt ausgezeichnet, nicht wie ich das von zu Hause kenne. Unsere Gastgeber sitzen mit uns am Tisch, laden uns nur unsere Teller voll, selbst essen sie nichts – langsam gewöhnen wir uns an diese Sitte.

Zum Abschied lädt man uns zu der Hochzeit des Sohnes ein – vorausgesetzt die beiden finden zueinander.

Heute ist Ruhetag!!?? Gabi, Rim und Nedja bummeln durch den Ort und Mouldi und ich machen uns mit dem HZJ auf in die Berge. Über Schotterpisten erkunden wir die wunderschöne Landschaft rund um BouaRada. Gegen Mittag kommen wir zu Mouldis Cousine, gleich wird uns Tee angeboten und Mouldi tauscht Neuigkeiten mit der Familie aus. Der Onkel, ein sehr freundlich lächelnder alter Mann, lässt mich nicht aus den Augen, ja ich fühle mich wie durchleuchtet – der Grund dafür, er sah zum ersten mal einen Europäer und gleich so ein Musterexemplar. Gabi kommt mit einem Teppich zurück, ein Geschenk von Rims Freundin, der Besuch im Schuhgeschäft, das gebrauchte Schuhe aus Europa verkauft, war ein ergiebiges Gesprächsthema.

Am Nachmittag sind wir bei Dalila zum Tee eingeladen. Hier oben in den Bergen ist Mouldi auf einem Bauernhof inmitten von Olivenplantagen aufgewachsen. Bei einem Spaziergang erfahren wir einiges über das Leben in dieser Region und der vielfältigen Natur.

Natürlich blieb es nicht bei dem Tee, Dalila hatte auch noch ein Essen vorbereitet -  wie immer sehr lecker.

Unser gemeinsamer Freund Ben (mach disch net verrückt) und seine Frau kamen aus Tunis zu Besuch nach BouaRada und wir verbrachten zusammen einen sehr lustigen Abend.

Ach, hätte ich beinahe vergessen - wir hatten wieder köstlich gespeist.

Im Norden Tunesiens, am Meer waren wir in der Vergangenheit noch nicht gewesen. Wir wollten Rims Eltern nahe Tabarka besuchen. Sie leben in einem kleinen Ort fünf km von der algerischen Grenze entfernt. Aber zuvor machten wir noch einen Spaziergang im Hafen und entlang der Küste von Tabarka.

 

 

 

 

Am Straßenrand wurden frische Kakteenfrüchte verkauf

 

 

Dann kam was kommen musste, wir waren wieder zum Essen eingeladen.

Einige kg Hammelfleisch hatte ich diese Woche nun schon vertilgt – aber heute sollte es Ziege geben, was eindeutig meine Vorstellung von einem Essensgenuss überstieg – Ziege geht gar nicht. Rim und Mouldi redeten mit Engelszungen auf mich ein, ich solle das Zieglein wenigsten mal probieren. Der Kompromiss war – ich solle beide Fleischsorten ohne zu wissen was was ist probieren. Natürlich lag ich total daneben, Ziege ist noch geschmackvoller als Lamm – aber halt nur in Tunesien und das hat mit der Haltung der Tiere zu tun. Das Essen lief wie gewohnt ab – wir am reichlich gedeckten Tisch mit Lamm und Ziege und die Familie im Hintergrund. Den Tee tranken wir dann aber alle zusammen.

Rims Eltern.....

 

       

Am Ende geht eine Woche doch ziemlich schnell vorüber. Wir haben so viel erlebt und viel zu viel gegessen, abseits von touristischen Klischees wurden wir in Familien eingeladen und  überaus freundlich empfangen und sehr großzügig bewirtet.

Wir danken unseren Freunden Rim, Mouldi und Nedja für die überaus große und herzliche Gastfreundschaft in ihrem Land, und dass wir uns bald wiedersehen !!!!!!

Bislema.......

Gabi und Jürgen

 

 

 

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